Mit der Kältekappe fallen viel weniger Haare aus

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Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, leiden häufig unter Haarausfall. Eine Kältekappe kann diese Nebenwirkung nun deutlich mindern, wie Dr. Heidi S. Dazzi berichtet.

Wie kann man sich die Kältekappe-Therapie vorstellen?
Durch die Kälte wird die Kopfhaut auf bis zu fünf Grad Celsius heruntergekühlt. Das hat zur Folge, dass sich die Blutgefässe verengen, sodass die Aufnahme der Zytostatika in die Haarwurzel reduziert wird und dadurch auch der Haarausfall.

Wie gross ist der Effekt?
Durch die Kopfhautkühlung können, abhängig von der Therapie, bei 70 bis 80 Prozent aller Patienten die Haare so gut erhalten bleiben, dass Haarersatz
oder Kopftuchtragen kein Thema wird. Zudem wachsen die Haare viel gesünder und schneller nach, da der Follikel geschont wird. So werden das allgemeine Befinden und das Selbstwertgefühl gestärkt – was übrigens nicht nur für Frauen gilt!

Wie läuft die Therapie ab?
Der Patient setzt die Silikonkappe vor Beginn der Therapie auf, damit die Temperatur an der Kopfhaut gemessen und computergesteuert langsam heruntergekühlt werden kann. Während der ganzen Behandlung hält die Kappe eine Temperatur von rund fünf Grad. Am Ende der Chemotherapie wird die Kopfhaut noch circa ein bis zwei Stunden gekühlt. Danach bleibt die Kappe
noch zehn Minuten auf, damit sich die Kopfhaut an die Umgebungstemperatur gewöhnen kann.

Ist die Kälte unangenehm?
Erreicht die Kappe eine Temperatur von neun Grad Celsius, haben viele Patienten ein recht unangenehmes Gefühl, das jedoch häufig wieder verschwindet, es kann aber Kopfweh verursachen. Ist die Kopfhaut auf fünf Grad heruntergekühlt,
wirkt das Ganze wie eine Kälte-Anästhesie und die Kälte wird gar nicht mehr gespürt.

Wird die Behandlung von den Krankenkassen übernommen?
Die von dem Fachpersonal aufgewendete Zeit wird durch die Krankenkasse bezahlt, jedoch nicht die Therapie an sich. Doch ganz unabhängig davon
ist diese Behandlung für Frauen und Männer ein sehr gutes Angebot – allein schon für ein besseres Körpergefühl.

Im Interview
Dr. med. Heidi S. Dazzi
Fachärztin FMH für Innere Medizin,
Onkologie und Hämatologie
MSC Palliative Medizin
Ärztliche Leitung TUCARE Dietikon – Zentrum für Tumor- und Bluterkrankungen

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